Erweiterung Hauptsitz Welthandelsorganisation (WTO)
Arbeiten im Grünen
1. August 2013
wittfoht architekten haben kürzlich die Erweiterung des Hauptsitzes der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf fertiggestellt. Prof. Jens Wittfoht und Thomas Kindsvater wählen sechs Fotos und beantworten unsere acht Fragen.
Ansicht Rue de Lausanne
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Neubau soll die städtebauliche Gesamtsituation des vorhandenen Gebäudeensembles der WTO ergänzen und arrondieren. Er soll eine überzeugende Antwort auf die beengte Grundstückssituation im südlichen Grundstücksbereich geben und die vorhandenen, notwendigen, funktionalen Rahmenbedingungen integrieren.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Der Gedanke von Leichtigkeit, Transparenz und räumlich fliessenden Übergängen.
Nachtansicht Uferpromenade Genfer See
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die aussergewöhnliche Lage des Wettbewerbsgebietes im Spannungsfeld zwischen Stadt und See bestimmt den Entwurf. Die parkähnliche Uferzone bildet die besondere Rahmenbedingung, auf welche der Neubau reagiert. Er gliedert sich im Wesentlichen in zwei Bauteile: die erdgebundene Sockelzone und den darüber schwebenden, kristallinen Baukörper. Respektvoll hält er Abstand zum Altbau und schafft zwischen den beiden Gebäuden einen qualitätsvollen, spannungsreichen Aussenbereich.
Holzterrasse Glasfuge
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Im Laufe der weiteren Bearbeitung nach dem Wettbewerb konnte das ursprüngliche Gebäudekonzept vollständig erhalten bleiben. Die vorgenommenen Veränderungen wurden im Rahmen der Abstimmung mit den späteren Nutzern vorgenommen. Aus ursprünglich im Wettbewerb geplanten Einzel- und Doppelbüros entwickelten sich offene, flexible Teambereiche.
Restaurant
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Die Gebäudemasse wurden im Verlauf der Planung zwischen Wettbewerb und der Realisierung reduziert. In den Sockelgeschossen entfiel durch eine Optimierung der Technikflächen ein Untergeschoss. Durch die Umstellung der Bürobereiche von Einzel- und Doppelbüros zu den offenen Teambereichen konnte der schwebende Büroriegel um ein Geschoss reduziert werden. Diese Reduzierung ist im städtebaulichen Kontext sehr wohltuend.
Bürobereich Besprechungsraum
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Das WTO Projekt ist ein weiterer, wichtiger Baustein in einer Reihe von Gebäuden unseres Büros, die in Haltung und Umsetzung unsere Vorstellung von Architektur abbildet. Architektonische Klarheit bis hin zu Fragen von Nachhaltigkeit haben unsere Arbeit in den letzten Jahren immer wesentlicher bestimmt, ob es sich um den Neubau der WTO oder um die energetische Sanierung eines Sechzigerjahre-Projektes handelte. Trotz unterschiedlicher Bauaufgaben sind alle Projekte eines im Geiste.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Das Gebäude erfüllt die Vorgaben des Minergie-P-Standards. Dies ist vor dem Hintergrund der fast vollständig verglasten Fassade zunächst überraschend. Möglich ist die Erfüllung des Standards durch die Nutzung des Seewassers (GLN) als Energieträger sowie einer effizienten Technikzentrale mit Wärmerückgewinnung.
Bürobereich Teamspace
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Im Besonderen ist die Glasfassade vor dem Hintergrund der Erfüllung der Minergie-P-Anforderungen zu nennen, im Gesamten ist es jedoch die Komposition der Materialien im Kontext des einzigartigen Bauplatzes (Alpen/See/Park), die den Projekterfolg ausmachen.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Erweiterung Hauptsitz Welthandelsorganisation (WTO)
2012
Genf GE
Auftragsart
1.Preis / weltweit offene Wettbewerb
Bauherrschaft
World Trade Organization (WTO), Genf
Architektur und Bauleitung
wittfoht architekten, Prof. Jens Wittfoht / BDA I BDIA I SIA, Stuttgart
Projektleitung: Thomas Kindsvater
Mitarbeiter: Leonardo Sartori, Anne Voll, Florian Hoffmann, Julia Beierbach, Lindsay Kampe, Florian Kelsch, Andreas Rahmer
Fachplaner
Tragwerk: Schlaich Bergermann und Partner GmbH, Stuttgart
Energiekonzept: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
Heizung-Lüftung-Sanitär / Spezialist Minergie: Weinmann Energies SA, Echallens
Elektroplanung: MAB Ingénierie SA, Morges
Bauphysik und Raumakustik: Bobran Ingenieure, Stuttgart
Generalunternehmung: Implenia Entreprise Générale SA, Onex
Gesamtkosten BKP 1-9
CHF 50.0 Mio.
Gebäudevolumen
56.800 m3 (SIA 416)
Energiestandard
Minergie P
Fotos
Brigida González, Stuttgart