Ein sorgsam bewahrtes Mittelalter

Elias Baumgarten
25. April 2024
Foto: Studio Gataric Fotografie

Die Zeit scheint stehen geblieben, im kleinen Bergbauerndorf Lohn oberhalb der Viamala-Schlucht: Seit dem 19. Jahrhundert konnte es sich seinen bäuerlichen Charakter bewahren. Bis heute prägen vor allem alte Bauten das Dorfbild, neue Ferienhäuser gibt es kaum. Inzwischen ist Lohn, das zum Naturpark Beverin gehört, im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) gelistet. Ein architektonisches Juwel findet sich am östlichen Rand des Haufendorfes: In herrlicher Lage mit wunderbarem Blick auf die umliegende Bergwelt steht die Tgea Simonett. Sie wurde 1445 an ein mittelalterliches Wohnhaus angebaut. Zusammen mit einem 1939 gebauten und noch heute gelegentlich genutzten Backhaus bilden die beiden Gebäude eine Häusergruppe mit einer hofähnlichen Eingangssituation zur Talseite.

Foto: Studio Gataric Fotografie
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Jahrzehntelang stand der spätmittelalterliche Holzstrickbau mit Vormauerung leer: Der Eigentümer nutzte das Baudenkmal lediglich als Lager. Doch dann kaufte das Architektenpaar Esther Elmiger und Christian Jonasse das Haus. Die beiden setzten es mit wenigen gezielten Eingriffen liebevoll instand: Die hoch gewölbte Rauchküche mit dem im Scheitel aufsteigenden Kamin und die beiden übereinanderliegenden Kammern des inneren Strickbaus blieben im originalen Zustand erhalten. Auch baugeschichtlich wertvolle Oberflächen wie die Steinplattenböden oder den Holzstrick, aber auch alte Bauteile wie die Türen mit historischen Beschlägen und die Öfen liessen die Zürcher Architekturschaffenden unverändert. Zwei neue Fenster ermöglichten indes die Umnutzung eines Kellerraumes und der einstigen Vorratskammer, die neu zur Küche wurde. Eine dünne gewölbte Schale überspannt nunmehr diesen Raum. 

Foto: Studio Gataric Fotografie
Foto: Studio Gataric Fotografie

Über die Stiftung Ferien im Baudenkmal wird die Tgea Simonett jetzt als Feriendomizil für Interessierte zugänglich. In zwei Schlafzimmern können bis zu vier Personen übernachten. Die Gäste erhalten bei ihrem Besuch Einblick in sechs Jahrhunderte Bündner Baugeschichte und können zum Beispiel beim Wandern das Naturparadies ringsherum erkunden. Die Stiftung Ferien im Baudenkmal wurde 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründet. Sie übernimmt in der ganzen Schweiz vom Verfall bedrohte Baudenkmäler, restauriert sie sanft und vermietet sie anschliessend als Ferienobjekte. In Österreich wird dieser Ansatz übrigens zurzeit im Rahmen einer Ausstellung des Architekturzentrums Wien als beispielgebend für einen nachhaltigen Tourismus präsentiert.

Foto: Studio Gataric Fotografie
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