Keimzellen neuen Stadtlebens
Dank geringer Eingriffstiefe und grosser Gestaltungslust keimt im einstigen Bürobau neues Leben auf. Eine kleinteilige Saat aus 110 Wohnlofts und Ateliers im Erdgeschoss machts möglich.
Nur einen Steinwurf vom Fernsehstudio entfernt, stand ein angejahrter Büroriese aus den 1980ern. Rechts flankiert von der Megastruktur einer Pensionskasse, ist er Zeuge der lange nur monofunktionalen Stadtentwicklung Leutschenbachs. Seit geraumer Zeit kündeten indes ein neuer Park sowie die zwei benachbarten Wohntürme The Metropolitans von der Vision einer lebenswerten «Stadt der kurzen Wege», in der Wohnen und Arbeiten verschmelzen. Angesichts dieser Entwicklungen und des Umbaupotenzials des Gebäudes versprach seine «Aufforstung» mit 95%-Wohnanteil und Gemeinschaftsräumen ein fruchtbares Biotop zu werden.
Parterre ist so eine Vielzahl kleiner, auch direkt vom öffentlichen Raum zugänglicher Ateliers entstanden. Mittels eigens geschreinerter Box- und Podest-Möbel bieten sie ein reiches Innenleben. Und ebenso eine geschützte Warte, von wo aus Pioniernutzer den Aussenraum kolonialisieren. Die Stirnseiten des Gebäudes blieben vier Gewerberäumen vorbehalten. Seitlich führen zwei neu inszenierte Eingänge in die hohe Empfangshalle. Ihre Raumdramaturgie weist den Weg an Sitznischen und Briefkästen vorbei zur «Wasch-Kathedrale» und einer Gemeinschaftsküche. Räumlich wie funktional werden so Orte des Austauschs geschaffen, die der Vereinzelung von Singlehaushalten entgegenwirken.
Nebst eines vitalen Mietermix’ und Einrichtungen, die die Gemeinschaft fördern, bestand die Leitidee in einer möglichst geringen Eingriffstiefe und wenig Abbruch. Bei der Umnutzung der Büroetagen wurde mit minimalen Mitteln eine charakterstarke, wohnliche Loft-Atmosphäre geschaffen. Sichtbetondecken, Gussasphaltböden sowie Aufputz geführte Stoffkabel, die sich wie Spinnennetze über Wände und Decken ziehen, tragen die Spuren der Vornutzung zur Schau. Lange, zu Arbeitstischen umgestaltete Fensterbretter bringen einen Mehrwert. Pro Etage gibt es 18 Lofts à 60-110 m2, die dank eingestellter Spanholzboxen ganz unterschiedliche Sphären evozieren. Und während allen Bewohnern die Dachterrasse offen steht, profitieren jene im Attika von eigenen Aussenräumen auf dem revitalisierten Bau. (mc)
Umnutzung Bürogebäude «The Brick 80»
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- Schärenmoosstrasse 80, 8052 Zürich
- Jahr
- 2024
- Team
- Generalplanung Züst Gübeli Gambetti Generalplanung AG, Baumanagement befair partners AG, Landschaft ORT AG, Statik K2S Bauingenieure AG, Bauphysik Michael Wichser + Partner AG, HLKS / Elektro 3-Plan Haustechnik AG, Brandschutz SafeT Swiss AG, Farbkonzept Fass. in Zusammenarbeit mit Thomas Rutherfoord