Subtile Gemeinsamkeiten und gewollte Unterschiede
Roman Hutter und sein Team haben in Sempach in Begleitung der Denkmalpflege ein historisches Stadthaus restauriert und um einen Neubau ergänzt. Der Kulturkeller «im Schtei» erhielt in diesem Zuge das bis anhin fehlende Foyer.
Herr Hutter, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Es ist ein Privileg, in einem historischen Städtchen wie Sempach zu bauen. In diesem Falle durften wir ein Stadthaus aus dem Jahre 1797 restaurieren und mit einem Neubau ergänzen. Obschon über 200 Jahre zwischen den beiden Häusern liegen, finden sich viele subtile Gemeinsamkeiten – aber auch gewollte Unterschiede, die den Stadtkörper bereichern sollen. Als Mehrwert sehen wir den neu geschaffenen hofartigen Zwischenraum. Dort, wo früher ein hölzerner Schopf an den solitären Altbau stiess, entstand ein Erschliessungsraum mit offenem Treppenaufgang, der zwischen der Kronengasse und dem dahinterliegenden Grünraum der Nachbarschaft vermittelt.
Neben insgesamt vier Stadtwohnungen beinhaltet das Projekt den Kulturkeller «im Schtei». In dem ehemaligen Käsekeller finden seit 1997 Konzerte statt. Neu ist dem Sandsteingewölbe ein Foyer vorgelagert, welches die Künstlerinnen und Künstler, aber auch die Besuchenden würdig empfängt.
Als Inspirationsquelle dient uns bei jedem Projekt die sorgfältige Lektüre des Ortes. Sempach ist reich an unterschiedlichsten Themen, die für den Neubau aufgegriffen werden konnten. Neu zusammengefügt und sinnvoll adaptiert entstand ein zeitgemässer Beitrag, der sich dennoch vornehm zurücknehmen soll.
«Sempach ist auf Mauern gebaut», heisst es. Die Oberflächen sind in der Stadt fast ausschliesslich mineralisch gehalten. Die Struktur des Neubaus wurde deswegen in Beton gegossen. Abgesehen von den Sockelpartien, den Fenstergewänden und dem Dachabschluss ist die Oberfläche gestockt – als subtiler Gegensatz zur verputzten Fassade des Altbaus. Putz ist eine additive, Stocken eine subtraktive Art der Veredelung von Mauerwerken. In ihrer Erscheinung sind sich die beiden Verfahren jedoch sehr nah.
Die Wohnungen im Neubau wurden so ausgestaltet und ineinander verzahnt, dass beide möglichst gleichwertige Qualitäten aufweisen. So profitieren sie gleichermassen von allen vier Himmelsrichtungen und einem eigenen Garten.
Die Korporation Sempach besitzt einen eigenen Wald. Deshalb war es auch ein Anliegen der Bauherrschaft, möglichst viel Holz aus dem eigenen Bestand zu verwenden. Im Wald wurde gemeinsam mit dem Förster nach geeigneten Bäumen gesucht. Die vielen unterschiedlichen Holzarten sind einerseits ihren besonderen Eigenschaften und dem jeweiligen Verwendungszweck geschuldet, andererseits aber auch der Verfügbarkeit.
So wurden sämtliche Innenausbauten aus Holz gefertigt. Dies generiert ein spannendes und atmosphärisches Nebeneinander von warmen und kühlen, harten und weichen Materialien.
Die Kronengasse ist eines von inzwischen vielen Projekten unseres Büros im sensiblen Kontext. Das Bauen an Orten, die einen besonders sorgfältigen Umgang verdienen, reizt uns sehr – dies nicht zuletzt auch wegen der Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, welche wir stets sehr schätzen.
Obschon uns jede dieser Bauaufgaben um viel Wissen bereichert, beginnt die Suche nach dem richtigen Umgang mit dem Vorgefundenen immer wieder von Neuem.
Kronengasse in Sempach
Standort
Kronengasse 1–3, 6204 Sempach
Nutzung
2 Zweifamilienhäuser; Konzertkeller «im Schtei»
Auftragsart
Wettbewerb, 1. Rang
Bauherrschaft
Korporation Sempach
Architektur
Roman Hutter Architektur GmbH, Luzern
Daniel Scheuber, Christof Wettstein, André Zimmermann, Sven Gehrig, Patrick Perren, Inigo Aya, Ilona Distel, Aurel Hettich, Amélie Christen, Monica Unternährer und Roman Hutter
Begleitung
Denkmalpflege Kanton Luzern: Marcus Casutt, Luzern
Archäologie Kanton Luzern: Herman Fetz, Luzern
Bauhistorische Untersuchung: Siegfried Möri, Burgdorf
Dendrochronologie: Laboratoire Romand de Dendrochfonologie, Cudrefin
Fachplaner
Holzbauingenieur: Lauber Ingenieure, Luzern
Kostenplanung
kunzarchitekten, Sursee
Bauleitung
Kaufmann & Partner, Luzern
Fertigstellung
2021
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister: Häller Bau AG, Sempach
Natursteinarbeiten: Ceresa Bildhauerei AG, Sempach
Holzbau: Helfenstein + Muff Holzbau AG, Sempach
Antikschreiner: Josef Heini, Grosswangen
Schreinerarbeiten: Geisseler + Bühler AG, Sempach
Fenster: Haupt AG, Ruswil
Elektroanlagen: CKW, Sempach
Heizung: Gebäudetechnik Estermann AG, Hildisrieden
Ofenbau: Roth Ofenbau, Rifferswil
Auszeichnung
Best Architects Award 24 in Gold
Fotos
Markus Käch, Emmenbrücke