Den Ort einfangen
In Neftenbach haben Marazzi Reinhardt zwei Landwirtschaftsbauten durch Wohnhäuser ersetzt. Ein denkmalgeschütztes Waschhaus und der ortsbaulich prägende Hofraum blieben erhalten und gehen im neuen Ensemble auf. Sergio Marazzi stellt das Projekt vor, das in einem langen Aushandlungsprozess entwickelt wurde.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Bestand konnte aus ökonomischen und baulichen Gründen nicht erhalten werden. Trotzdem war uns wichtig, die räumlichen und atmosphärischen Qualitäten des Ortes zu bewahren. Wir haben also versucht, zeitgenössische Architektur mit der Geschichte und der Identität des Ortes zu verbinden. Gleichzeitig bestand unsere Aufgabe darin, eine höhere Dichte zu erzeugen und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die geschützten historischen Fragmente Waschhaus und Brunnen sollten dabei in das neue Ensemble integriert werden und nicht nur Platzhalter der Vergangenheit darstellen.
Mithilfe von Collagen aus Fotos der vorgefundenen Situation haben wir die stoffliche Atmosphäre des Ortes eingefangen. Diese Bildwelten bildeten die Grundlage für die Ausformulierung der zwei neuen Gebäude. Uns war wichtig, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten des Bestandes in den Ersatzneubauten abzubilden. So reifte die Idee des Gebäudepaars, das sich ähnlich, aber nicht gleich präsentiert. In Setzung und Kubatur entsprechen die Häuser in etwa ihren Vorgängern.
Das Projekt wurde eng mit dem Ortsbildschutz entwickelt. Ein Ersatz der Bestandsbauten war nicht von Anfang an geplant. Wichtig war, trotz der Entscheidung für zwei Neubauten die räumliche Situation zu erhalten. Beispielsweise haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, die Tiefgarage mit einem technisch und finanziell aufwendigen Autolift auszustatten, damit eine unschöne Rampensituation vermieden werden kann. Im Gegenzug wurde ein zweiter Giebel und dadurch deutlich mehr Volumen bei der ehemaligen Stallscheune genehmigt, da diese Erweiterung den Gassenraum nicht negativ beeinflusst. So konnte eine für alle Seiten gewinnbringende Lösung gefunden werden. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre, und wir führten intensive Diskussionen, um zu guten Absprachen mit der Nachbarschaft zu kommen.
An einer ortsbaulichen Schlüsselstelle sollten Eigentumswohnungen entstehen. Das erfordert einerseits eine gewisse Dichte, damit ein rentables Projekt entstehen kann. Andererseits ist der Anspruch der Käufer von Eigentumswohnungen höher, insbesondere an die Außenräume, die Privatsphäre, den Schallschutz und das Parkplatzangebot. Diese Parameter mit den Ansprüchen des Ortsbildschutzes in Einklang zu bringen, war eine große Herausforderung. Uns war klar, dass wir über die Setzung und die Fassadengestaltung Einfluss auf das Projekt haben würden. Die Ersatzneubauten erlaubten uns aber auch, die Grundrisse der Wohnungen ideal auf die Bedürfnisse der neuen Bewohnerinnen und Bewohner anzupassen.
2024
Seuzachstrasse 5
8413 Neftenbach, Kanton Zürich, Schweiz
Nutzung
Eigentumswohnungen
Auftragsart
Direktauftrag
Bauherrschaft
Privat
Architektur
Marazzi Reinhardt, Winterthur
Fachplaner
Bauingenieur: Bona Fischer, Winterthur
Bauphysik: BWS Bauphysik, Winterthur
Ausführende Firmen
Baumeister: Hans Stutz AG, Winterthur
Holzbau: Baltensberger Holzbau, Winterthur
Hersteller
Sichtmauerwerk: Keller Unternehmungen, Pfungen
Liftanlagen: Diethelm Aufzüge, Lachen
Fenster: 3p Fenster, Rafz
Küchen: Herzog Küchen, Unterhörstetten
Gesamtkosten
CHF 8'000'000
Fotos
Schaub Stierli Fotografie, Zürich