Den Ort einfangen

Marazzi Reinhardt | 14. Februar 2025
Die beiden Ersatzneubauten mit insgesamt elf Eigentumswohnungen entsprechen in Setzung und Volumen ihren Vorgängern. Das Gebäudepaar wirkt ähnlich, doch die Häuser gleichen sich nicht. (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Bestand konnte aus ökonomischen und baulichen Gründen nicht erhalten werden. Trotzdem war uns wichtig, die räumlichen und atmosphärischen Qualitäten des Ortes zu bewahren. Wir haben also versucht, zeitgenössische Architektur mit der Geschichte und der Identität des Ortes zu verbinden. Gleichzeitig bestand unsere Aufgabe darin, eine höhere Dichte zu erzeugen und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die geschützten historischen Fragmente Waschhaus und Brunnen sollten dabei in das neue Ensemble integriert werden und nicht nur Platzhalter der Vergangenheit darstellen.

Inspiration fanden die Architekten in Fotos der vorgefundenen Situation, die sie zu Collagen arrangierten. (Foto: © Marazzi Reinhardt)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Mithilfe von Collagen aus Fotos der vorgefundenen Situation haben wir die stoffliche Atmosphäre des Ortes eingefangen. Diese Bildwelten bildeten die Grundlage für die Ausformulierung der zwei neuen Gebäude. Uns war wichtig, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten des Bestandes in den Ersatzneubauten abzubilden. So reifte die Idee des Gebäudepaars, das sich ähnlich, aber nicht gleich präsentiert. In Setzung und Kubatur entsprechen die Häuser in etwa ihren Vorgängern.

Blick von der Gasse auf die Anlage vor der Umgestaltung (links) und danach (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Die beiden Ersatzneubauten (rechts) und ihre Vorgänger (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Welche besonderen Anforderungen wurden gestellt? Wie trugen Sie diesen Rechnung?


Das Projekt wurde eng mit dem Ortsbildschutz entwickelt. Ein Ersatz der Bestandsbauten war nicht von Anfang an geplant. Wichtig war, trotz der Entscheidung für zwei Neubauten die räumliche Situation zu erhalten. Beispielsweise haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, die Tiefgarage mit einem technisch und finanziell aufwendigen Autolift auszustatten, damit eine unschöne Rampensituation vermieden werden kann. Im Gegenzug wurde ein zweiter Giebel und dadurch deutlich mehr Volumen bei der ehemaligen Stallscheune genehmigt, da diese Erweiterung den Gassenraum nicht negativ beeinflusst. So konnte eine für alle Seiten gewinnbringende Lösung gefunden werden. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre, und wir führten intensive Diskussionen, um zu guten Absprachen mit der Nachbarschaft zu kommen.

Der Hofraum mit dem historischen Waschhaus vorher (links) und nachher (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Das alte Waschhaus und der Brunnen sind wesentliche Bestandteile der neuen Anlage und nicht bloß geschichtliche Überreste. (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Inwiefern haben die Bauherrschaft oder die späteren Nutzenden den Entwurf beeinflusst?


An einer ortsbaulichen Schlüsselstelle sollten Eigentumswohnungen entstehen. Das erfordert einerseits eine gewisse Dichte, damit ein rentables Projekt entstehen kann. Andererseits ist der Anspruch der Käufer von Eigentumswohnungen höher, insbesondere an die Außenräume, die Privatsphäre, den Schallschutz und das Parkplatzangebot. Diese Parameter mit den Ansprüchen des Ortsbildschutzes in Einklang zu bringen, war eine große Herausforderung. Uns war klar, dass wir über die Setzung und die Fassadengestaltung Einfluss auf das Projekt haben würden. Die Ersatzneubauten erlaubten uns aber auch, die Grundrisse der Wohnungen ideal auf die Bedürfnisse der neuen Bewohnerinnen und Bewohner anzupassen.

Das Haus B zeigt eine außergewöhnliche, rohe Fassadengestaltung. (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Seitlicher Eingang des Hauses B (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Blick in die Küche von Haus B: Auch im Inneren herrschen roh belassene Oberflächen vor und prägen die Räume. (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Im Wohnzimmer mit vorgelagerter Laube (Foto: © Schaub Stierli Fotografie)
Situation (© Marazzi Reinhardt)
Grundriss Untergeschoss (© Marazzi Reinhardt)
Grundriss Erdgeschoss (© Marazzi Reinhardt)
Grundriss Obergeschoss (© Marazzi Reinhardt)
Grundriss Dachgeschoss (© Marazzi Reinhardt)
Schnitt A (© Marazzi Reinhardt)
Schnitt B (© Marazzi Reinhardt)
Wohnen am Näfbach
2024 
Seuzachstrasse 5
8413 Neftenbach, Kanton Zürich, Schweiz
 
Nutzung
Eigentumswohnungen
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Privat
 
Architektur
Marazzi Reinhardt, Winterthur
 
Fachplaner
Bauingenieur: Bona Fischer, Winterthur
Bauphysik: BWS Bauphysik, Winterthur
 
Ausführende Firmen
Baumeister: Hans Stutz AG, Winterthur
Holzbau: Baltensberger Holzbau, Winterthur
 
Hersteller
Sichtmauerwerk: Keller Unternehmungen, Pfungen
Liftanlagen: Diethelm Aufzüge, Lachen
Fenster: 3p Fenster, Rafz
Küchen: Herzog Küchen, Unterhörstetten
 
Gesamtkosten
CHF 8'000'000
 
Fotos
Schaub Stierli Fotografie, Zürich

Verwandte Artikel