Gemeinschaftliches Wohnen am Hang
Loeliger Strub haben am östlichen Rand von Zürich ein Wohnprojekt für eine private Bauherrin realisiert. Mit ungewöhnlichen und charmanten Details bietet der Neubau Raum für 14 Parteien und lässt das Gemeinschaftsgefühl nicht zu kurz kommen.
Zwischen dem Zoo in Zürich-Fluntern und dem östlich angrenzenden Gockhausen, einem Ortsteil von Dübendorf, führt die Tobelhofstrasse durch Wald und Flur. Idyllisch im Grünen liegen nahe der Hauptstraße der namensgebende Tobelhof mit einigen umgebenden Häusern, darunter auch ein Neubau von Loeliger Strub. Er befindet sich dort, wo bis 2020 das Restaurant Roter Kamm stand – die Besitzerin Irma Peter entschied nach vielen Betriebsjahren, an gleicher Stelle etwas grundlegend Neues zu beginnen. Gemeinsam mit den Architektinnen und Architekten von Loeliger Strub entwickelte sie ein für sich passgenaues Wohnprojekt, bei dem trotz privater Trägerschaft die Gemeinschaft ausreichend Raum erhält.
Der gestreckte Baukörper sitzt mit seiner Längsseite nah an der stark befahrenen Straße, wodurch ein großer rückwärtiger Garten in Richtung Süden freigespielt wird. Zwar befindet sich der Außenraum auf ansteigendem Terrain, die lockere Setzung des Grüns und die freie Gestaltung als Garten lassen ihn jedoch trotzdem luftig und offen wirken. Die zwei separaten Hauseingänge liegen auf der Nordseite, auf der ein überhoher und mit der Zeit grün zuwachsender Laubengang eine privatere Zwischenschicht bildet. Hinter dem Eingang führt eine Treppe zu den Groß- und Atelierwohnungen im Hochparterre und in die weiteren Etagen. Die jeweils in der Mitte des Treppenraumes liegenden Aufzüge verbinden Eingang, Tiefgarage und alle Wohngeschosse schwellenfrei – sogar die beiden nördlich vorgelagerten Ausguck-Balkone können so erreicht werden.
Konstruktiv ist das Gebäude ein Hybrid aus Beton und Holz. Alle tragenden und aussteifenden Bauteile sind aus Beton gefertigt, abschließende und trennende Innen- und Außenwände sowie räumliche Einbauten in den Wohnungen bestehen aus Holz. Im Raster stehen straßenseitig 15 dreigeschossige Stützen, die sich nach oben verbreitern. Auf Dachebene gehen sie in aufgesetzte Betonträger über, die sich über das Dach bis zur Rückseite ziehen. Ihre Lasten werden über die in den Geschossen gesetzten Wandsegmente in das Fundament geleitet, wodurch ein Großteil der Wohnräume stützen- und wandfrei bleibt.
Als trennende Elemente in den Wohnungen setzen Loeliger Strub einerseits auf kleinere Einbauten, die mal Schrankflächen, mal ein WC aufnehmen. Zwischen diesen und entlang der Betonscheiben können die Bewohnenden mit hohen, verschiebbaren Tapetenwänden steuern, inwieweit Ein- und Durchblicke erlaubt sind. Besonders sind die Duschen der stirnseitigen Wohnungen, denn sie liegen eng eingepasst in den skulptural ausgeformten Giebeln. Diese kurzen Fassaden und die Decken steifen das Haus aus und binden es zusammen. Die Treppenhäuser, die sonst oft diese Funktion übernehmen, sind im Neubau als Haus im Haus geplant und sogar so gebaut, dass die Schallentkopplung erst wohnungsinnenseitig passiert. Dazu wurden trennende Randstreifen an jene Deckenplatten gesetzt, die über die Stützen und Unterzüge in Richtung Treppenhaus auskragen.
Besonders ist auch das räumliche Konzept, das im Erdgeschoss Platz für Gemeinschaft ermöglicht. Die Mitte des Gebäudes besetzt ein großzügiger Raum, der zum Plaudern und Verweilen einlädt. Straßenseitig befindet sich ein kleineres Kaminzimmer, ebenso auf der Nordseite liegen die Waschküche, ein großes Badezimmer und eine Gemeinschaftsküche.
In den Materialien ähnlich gestaltet, formulierten Loeliger Strub jedoch Details neu: Der Riemenboden ist hier wie auch in den Wohnungen aus Douglasie, im Gemeinschaftsraum wurde er jedoch zum Ornament gelegt und überzieht den ganzen Boden. Mittig im Raum verzichteten die Planer auf eine Wandscheibe und setzten stattdessen eine skulpturale Betonstütze. Auch der Kamin trägt die klare Handschrift des Büros, mit der das traditionelle Element modern interpretiert wird.
Die Terrasse, auf die man durch große Glastüren gelangt, kann als Teil des Aufenthaltsraumes genutzt werden und schafft einen angenehmen Übergang zum angrenzenden Garten. Sowohl auf Erdgeschossniveau als auch in den Obergeschossen ziehen sich die Veranden vor den Wohnungen komplett durch – harte Trennungen zwischen den einzelnen Wohnungen gibt es nicht. Einzig Vorhänge und die entsprechenden Schienen lassen erkennen, wo die Wohnungsbereiche enden.
Über die Veranden gelangen die Bewohnerinnen und Bewohner auch direkt in den Garten, denn drei skulpturale Treppen, die an Sprungtürme erinnern, schaffen die entsprechende vertikale Verbindung. Dunkelblaue und weiße Geländer vermitteln den Eindruck eines maritimen Kontexts und eines Schiffdecks, was in dieser Lage eher überrascht, als spielerisches Element aber funktioniert. Auf dem ansteigenden Terrain des Gartens führen Wege und gestaltete Grünbereiche hinauf zur alten Kastanie, die noch aus den Zeiten des Restaurantbetriebs stammt und heute als schattiger Ort zum Sitzen einlädt. Für aktivere Bewohner gibt es zudem an höher gelegener Stelle Pflanzbeete, in denen gegärtnert werden kann.
Haus und Außenraum stehen für Vielfalt, Kreativität und strahlen Freude am Miteinander aus. Gemeinsam und dennoch privat für sich zu wohnen, scheint für die 14 hier lebenden Parteien eine gelungene Mischung zu sein – ob vor dem Kamin oder unter der Kastanie.
Projektinformationen Haus im Garten
Standort
Zürich, Schweiz
Bauherrschaft
Privat
Architektur
Loeliger Strub Architektur, Zürich
Fanni Müller (Projektleitung), Johannes Walterbusch, Sofie Unger, Thomas Rutishauser, Yves Rechsteiner, Corinne Liebi und Lucien Villiger
Bauingenieur
dsp Ingenieure + Planer AG, Uster
Bauleitung
baumanagement-wild GmbH, Winterthur
Vergabe
Direktauftrag, 2018







